Wir bewegen Filmkultur

DOK Leipzig: Im Stillen laut

Erika und Tine sind 81 Jahre alt und seit 40 Jahren ein Paar. Die beiden Frauen leben auf einem selbst ausgebauten Hof in Brandenburg und schauen auf ein bewegtes Leben zurück. In der DDR mussten beide um persönliche und künstlerische Freiräume kämpfen und rangen täglich mit dem Sozialismus, erst recht aber mit dessen real existierenden Widersprüchen. Anders als andere DDR-Kulturschaffende, die an der Ablehnung ihrer Kunst und Ideen zerbrachen, blicken beide heute humorvoll auf die vielfältigen Dokumente ihres Lebens und kontextualisieren und konterkarieren die zahlreichen Stasiakten mit ihren eigenen Erinnerungen, Fotos, Gemälden, Skulpturen und Texten. Sie nutzen die Gespräche mit der jungen Regisseurin, um einen genauen Blick in die eigene (DDR-)Vergangenheit, aber auch in die Nachwendezeit, in Gegenwart und Zukunft zu werfen.

Was vermag Kunst in gesellschaftspolitisch herausfordernden Zeiten? Wie kann man sich selbst, der Kunst und den eigenen Idealen treu bleiben? Wo sind Frauen bis heute konfrontiert mit struktureller Benachteiligung? Wie lassen sich gemeinsam gesellschaftliche Missstände ausräumen? Indem der Film ganz selbstverständlich bei seinen Protagonistinnen bleibt, gelingt eine betörend klare Erzählung über Freiheit, Autonomie, Kreativität und Sozialität – und nicht zuletzt eine wunderbare Ode an die Liebe.

Luc-Carolin Ziemann

Lizenzkosten für eine Vorführung 95 € zzgl. 5 € Versand.

Logo DOK Leipzig
Illustration

Stab, Besetzung & Produktion

Regie: Therese Koppe

Besetzung: Erika Stürmer-Alex, Christine Müller-Stosch

Musik: Irma Heinig

Produktion: Therese Koppe, Marie-Luise Wagner, Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF

Filmstill aus dem Dokumentarfilm

Kamera: Annegret Sachse

Schnitt: Evelyn Rack

Buch: Therese Koppe

Ton: Billie Mind

Filmstill aus dem Dokumentarfilm

Filmdaten

Land: Deutschland 2019

Dauer: 72 Minuten

Sprache: deutsch

Lobende Erwähnung des VER.Di-Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness