Beim FILMFEST MÜNCHEN vom 26. Mai bis zum 5. Juli gibt es mit dem Film »Die miserable Mutter« von Susanne Heinrich auch einen starken sächsischen Beitrag.
Das Schicksal hätte sich kaum einen besseren Ort für Deutschlands wichtigstes Sommerfilmfestival ausdenken können als München. Schließlich lässt es sich in der bayrischen Metropole im Sommer besonders gut aushalten. Beste Bedingungen also für projektfördernde und nachhaltige Schwätzchen zwischen den Kinovorstellungen, aber auch für narrative und bildästhetische Visionen. Tatsächlich gehört das FILMFEST MÜNCHEN längst zu den wichtigsten Schaufenstern des europäischen Kinos und dank der Reihe »Neues Deutsches Kino« insbesondere auch des heimischen Filmschaffens. Auch in diesem Jahr setzt das Festivalteam dabei auf eine außerordentlich große Bandbreite: Internationale Produktionen, unabhängige Autorenfilme, Dokumentationen und Genrebeiträge konkurrieren um Aufmerksamkeit.
Aus sächsischer Sicht richtet sich der Blick dabei besonders auf den Beitrag »Die miserable Mutter« von Regisseurin Susanne Heinrich, ihre zweite Regiearbeit nach ihrem Debüt »Das melancholische Mädchen« von 2019. Die Filmemacherin und Schriftstellerin, die aus Oschatz stammt und in Leipzig lebt, bleibt ihrer Heimat auch künstlerisch eng verbunden. Schließlich wurde das poppige Musical-Drama in der Messestadt gedreht. Und für die Produktion war die Leipziger Produktionsfirma reynard films verantwortlich, die auch im Filmverband Sachsen eine Mitgliedschaft hält. Der Film ist damit nicht nur ein bemerkenswerter Beitrag des deutschen Autorenkinos, sondern zugleich ein starkes Signal für den Filmstandort Sachsen. Inhaltlich erzählt der Film von einer jungen Mutter, deren Alltag zwischen gesellschaftlichen Erwartungen, Selbstverlust und dem Wunsch nach Freiheit zunehmend surreal wird. Farbenprächtige Musicalelemente treffen dabei auf scharfe Gesellschaftskritik und eine ungewöhnliche filmische Sprache, die sich bewusst jeder Konvention entzieht.
Klingt nach einem perfekten Beitrag im Portfolio des Filmfests München. Die Programmplaner von »Neues Deutsches Kino« jedenfalls mussten nicht lange überlegen, ob sie den Zweitling in ihre Auswahl aufnehmen. »Der Film ist ein Pop-Art-buntes, gesellschaftskritisches Musical über junge Mütter«, sagt Programmer Urs Spörri. »Wir freuen uns riesig auf Susanne Heinrichs außergewöhnlichen zweiten Spielfilm, nachdem ihr Debüt bereits für Furore gesorgt hat.« Dass »Die Miserable Mutter« von einem cineastischen Publikum ganz genau beäugt wird, zeigt auch die Tatsache, dass der Film seine geteilte Weltpremiere beim FILMFEST MÜNCHEN und dem International Film Festival Shanghai feiern wird.
Auch in diesem Jahrgang gilt also: Das FILMFEST MÜNCHEN bleibt weit mehr als eine Bühne für prominente Namen. Es ist ein Ort, an dem die Zukunft des deutschen und europäischen Kinos sichtbar und vielleicht sogar zum Teil verhandelt wird. Impulse kann auch die sächsische Filmbranche erwarten, für die das Festival nicht nur eine wichtige Plattform ist, um die eigene Kreativität über Landesgrenzen hinaus zu präsentieren, sondern auch um neue Netzwerk zu knüpfen. Aber auch für das interessierte Publikum lohnt sich die Reise. Wer wissen möchte, welche Geschichten das Kino der kommenden Jahre erzählen wird, sollte in diesen Tagen nach München blicken.
Text: Philipp Demankowski