»Was macht dich aus?« – Auf die Frage des Redakteurs einer TV-Talentshow hat Lea (Frida Hornemann) keine Antwort. Ihre Eltern sind frisch getrennt. Während sie ihr Vater Matze (Max Riemelt) bei ihrem Traum einer Bühnenkarriere unterstützt, kommt es mit ihrer Mutter Rieke (Gina Henkel) regelmäßig zu Konflikten. Lea lebt bei ihren Großeltern Christel (Rahel Ohm) und Friedrich (Peter René Lüdicke), die auf ihrem Hof inmitten der thüringischen Idylle eine Pension betreiben. Die Gäste bleiben aus, stattdessen will sich die rechtspopulistische Partei für eine Tagung einmieten, was insbesondere Leas aufmüpfigem Cousin missfällt. Die einzige wirklich Vertraute der 16-Jährigen ist ihre Tante Kati (Eva Löbau), die aus dem Westen zurück in die Heimat gezogen ist, um das frisch sanierte Stadtschloss von Greiz als DDR-Museum zu betreiben. Doch von dieser Idee sind dort nicht alle begeistert.

Wenn Kati mit ihrer Mutter im Schlepptau des Fördergremiums durch die Ausstellung wandelt und Christel ihr Leben ausgestellt sieht, ist das eine der stärksten Szenen des Films. Wie kann es sein, dass für diese Vergangenheit, die sie am liebsten vergessen würde, Millionen ausgegeben werden, während sie kurz vor dem Bankrott steht? Unvereinbarkeiten wie diese erzählt »Etwas ganz Besonderes« in seinem Kaleidoskop aus Figuren einer ostdeutschen Familie. Regisseurin und Autorin Eva Trobisch (»Alles ist gut«) wollte immer einen Ensemblefilm drehen, der alle Figuren gleichberechtigt repräsentiert. In den Mittelpunkt spielt sich trotzdem die junge Lea, gerade weil sie eher beobachtet als agiert. Für die Leipziger Schauspielerin Frida Hornemann ein willkommener Ansatz für ihre Debütrolle: »Ich denke, dass Lea eine sehr schlaue Person ist, weil sie so viel auswirkt, einfach nur mit ihrem Dasein. Sie sagt ja gar nicht so viel und ist auch eher zurückhaltend. Aber sie beschäftigt trotzdem die ganze Familie mit der Frage: Was macht mich aus?« Die Frage nach der eigenen Identität zieht sich durch den Film.

Eine Herausforderung für die 19-Jährige war der Auftritt in der Casting-Show. Gleich am ersten Tag der Dreharbeiten musste sie singen – vor laufender Kamera und dem Publikum. »Das war sehr überwältigend. Ich habe vorher schon gesungen und in einer Band gespielt, also hatte ich ein bisschen Auftritterfahrungen, aber nicht in dem Rahmen.« Der Vorteil: »Ich musste da gar nicht so viel dazu schauspielern, weil ich einfach wirklich in dem Gemütszustand war. Ich bin da neu reingekommen. Plötzlich waren Leute um mich herum, die ganzen Komparsen, die auch die Kandidatinnen gespielt haben. Das war auch irgendwie überfordernd und ich bin da eher so wie Lea, ich beobachte mal alle. Und vor allen Dingen natürlich war ich total aufgeregt, so wie Lea halt auch.«

Regisseurin Eva Trobisch habe außerdem für ein gutes Umfeld gesorgt bei den Dreharbeiten, sagt Hornemann. Oft haben Trobisch und Adrian Campean die Kamera einfach laufen lassen, um eine organische Situation zu schaffen. Die Filmfamilie war zudem vor dem Dreh für einige Wochen gemeinsam auf dem Hof, um sich kennen zu lernen. Da das Ensemble aus Film- und Theaterschauspielern wie Peter René Lüdicke besteht, konnten sie so eine gemeinsame Sprache entwickeln.

Die gefeierte Premiere im Rahmen des Wettbewerbs der 76. Berlinale war dann ein weiterer überwältigender Moment für die junge Schauspielerin. »Das ist jetzt auch schon fast drei Monate her, aber ich glaub, ich hab’s immer noch nicht ganz verarbeitet«, sagt Hornemann. »Ich war da, ich hab’s gemacht, ich hab’s überlebt, den ganzen Trubel und so. Aber so richtig einordnen kann ich das, glaub ich, immer noch nicht.« Schauspielern will sie auf jeden Fall weiter, aber erstmal steht für Frieda Hornemann im Herbst das Studium an.

»Etwas ganz Besonderes« läuft ab dem 9. Juli im Kino