Lores Mutter stirbt an Krebs mit 55 Jahren. Es sind die ersten Tage der Corona-Pandemie. Lore ist zurück nach Erkelenz gezogen, um sich um alles zu kümmern – alleingelassen stellt sich die junge Frau den leeren Beileidswünschen und bürokratischen Hürden, die mit einem Todesfall einher gehen. Ihre Schwester ist abwesend, ihre Oma hat kein Verständnis für den Wunsch der Mutter, eingeäschert zu werden. Zwischen Schmerz und Überforderung muss Lore Kraft finden und zur Ruhe kommen, um trauern zu können.
Authentisch erzählt der einfühlsame Film »Sechswochenamt« vom richtigen Weg des Abschiednehmens und der Verlorenheit einer jungen Frau beim Umgang mit dem Gefühl der Trauer. Es ist der Debütfilm von Jacqueline Jansen, die ihre persönlichen Erfahrungen und die von Freunden in den Film einfließen ließ, um ein Thema auf die Leinwand zu bringen, das viel zu wenig Beachtung findet. »Diesen Film habe ich gemacht, weil ich, als meine Mutter gestorben ist, realisiert habe, dass wir alle irgendwann Angehörige eines sterbenden Menschen sein werden. Weil ich nicht möchte, dass meine Freunde und Freundinnen in Zukunft auch so wahnsinnig unwissend da hineinschlittern. Ich möchte gerne Menschen dazu einladen, sich frühzeitig mit den Thematiken, die damit einhergehen, zu beschäftigen.
Getragen wird »Sechswochenamt« von einer herausragenden schauspielerischen Leistung. Für ihr facettenreiches Spiel in ihrer ersten Hauptrolle wurde die Leipzigerin Magdalena Laubisch bereits mehrfach ausgezeichnet. Die 27-Jährige entdeckte ihre Leidenschaft fürs Schauspiel am Theatrium in Grünau. Obwohl sie vorher keinen Bezug hatte zum Theater, war sie gleich begeistert von dem kreativen Geist und der gemeinsamen Arbeit in der Theaterwerkstatt. »Das war auch, glaube ich, das Prägende für mich und ist es bis heute. Dass ich dort kennenlernen durfte, wie viel Freude es macht miteinander kreativ zu sein und zu spielen. Das ist ja ein fundamentaler Bestandteil meines Berufs, dass ich da ja nicht alleine stehe und mir das ausdenke, sondern unfassbar viele Menschen und Gewerke daran beteiligt sind. Und darum spiele ich, würde ich sagen. Darum mache ich diesen Beruf, weil ich eben diesen Prozess des gemeinsamen Denkens und Entwickeln einer Geschichte unfassbar liebe. Auch die damit einhergehende Reibung, dieser Widerstand und all die Kompromisse, die man eingeht. Das ist alles Teil davon, das will ich nicht missen.«
Nach dem Abitur studierte Laubisch Schauspiel in München und am Konservatorium in Paris. Zuletzt spielte sie die Hauptrolle im ARD-Thriller »Die Nichte des Polizisten« über den Terror des NSU. Parallel entstand »Sechswochenamt« mit Regisseurin Jacqueline Jansen – komplett ohne Förderung. Möglich wurde der Film durch die ehrenamtliche Mitarbeit aller Beteiligter und vieler Unterstützer. Eine besondere Arbeit. »Der Film ist mit wahnsinnig viel Enthusiasmus und mit wahnsinnig vielen Menschen entstanden«, sagt Jansen. »Und nur durch diese Menschen vor und hinter der Kamera, die sich so bedingungslos für dieses Projekt eingesetzt haben. Es wurde niemand bezahlt. Das sage ich nicht, um mich damit zu schmücken, sondern um nochmal heraus zu arbeiten und zu sagen, wie wahnsinnig das ist, dass da Leute drei Monate nach Erkelenz gezogen sind, um diesen Film zu machen.«
Seine Premiere feierte der Film schließlich beim Münchner Filmfestival und gewann dort den Preis der Internationalen Filmkritik und den Darstellerinnenpreis für Magdalena Laubisch. Beim Neisse Filmfestival wurde »Sechswochenamt« mit dem Hauptpreis geehrt. Der Abschluss einer langen Festivaltour, die Jansen sehr bereichert hat. »Ich bin gerade aus Korea zurückgekommen, wir waren in Irland, wir waren in Spanien, der Film geht jetzt nach Mexiko – es ist einfach unglaublich und mir fehlen auch mehr und mehr die Worte, das zu beschreiben. Die Begegnungen, egal, wo wir kulturell herkommen, sind absolut ähnlich. Die Menschen können sich damit identifizieren. Sie teilen ihre Geschichten. In Korea kamen die Leute im Anschluss und sagten, das bin genau ich. Es ist zwar nicht meine Mutter gestorben, sondern meine Oma, bei der ich aufgewachsen bin, aber ich kann mich total damit identifizieren. Und das ist einfach ein sehr großes Geschenk.«
»Sechswochenamt« läuft aktuell im Kino. Mehr Infos unter pifflmedien.de/filme/sechswochenamt