Neben den bekannten Filmfestspielen in Cannes im Frühjahr wird der Ort an der Côte d’Azur im Herbst noch einmal zum Platz für internationale Produktionen und Preisvergaben. Seit 2010 finden dort die Cannes Corporate Media & TV Awards statt, bei denen Corporate-Filme, Dokumentarfilme, Branded-Content-Formate und TV-Produktionen aus aller Welt ausgezeichnet werden.

Dieses Jahr wurden 182 Produktionen ausgezeichnet. Den Silbernen Delphin in der Kategorie »Corporate Films and Videos – Informational Films and Explanatory Videos« gewann der Film »Dresden – Unterirdisch gut.« Produziert hat ihn die in Dohna ansässige Filmagentur significant.pictures, die auch Mitglied im Filmverband Sachsen ist. »Völlig baff« machte sie die Nachricht, dass sie unter den Finalisten seien, so Katrin Thomas, welche die Agentur leitet und bei dem Film als ausführende Produzentin und Autorin tätig war.

Bereits vor 20 Jahren hatte das Team von significant.pictures einen Film für die Stadtentwässerung Dresden produziert, um vor allem jungen Menschen die Abwasseraufbereitung in der Kläranlage zu erklären. Nun wurde die Arbeit, welche Besucher*innen des Klärwerks oder als Lehrvideo im Schulbetrieb die Zusammenhänge und Abläufe von der Entsorgung menschlicher Ausscheidungen hin zu Industrieabwässern näherbringt, neu ausgeschrieben.

significant.pictures wurden mit ihrem Pitch erneut ausgewählt, so dass auch hier Marc Thomas wieder die Regie übernahm. Dieses Mal führt ein Erzähler, gespielt von dem Schauspieler und Synchronsprecher Martin Keßler, den man vor allem als Synchronstimme von Nicolas Cage oder als Commander Cody aus Star Wars kennt, durch die Geschichte. Dabei fiel die Wahl des Sprechers gezielt auf eine bekannte Stimme aus popkulturellen Filmen, da die Agentur auch dieses Mal den Film für jüngere Generationen konzipiert hat. Die gesamte Bildsprache richtet sich an die Sehgewohnheiten von jungen Menschen, was sich gerade an den schnellen Schnitten abzeichnet. Der Erzähler erklärt und zeigt, was passiert, wenn ein Gegenstand durch einen Gullideckel fällt und durch welche Orte ihn das Wasser führt. Dabei visualisiert der 13-minütige Film, dessen Entwicklung bereits 2023 begann, die verschiedenen Stationen durch Realaufnahmen, Animationen und verwendet im historischen Teil seiner Geschichte auch mit Hilfe von KI generierte Bilder. Diese fügen sich gut platziert ein und zeigen, wie diese Technologie auf gute Weise bereichernd eingesetzt werden kann, ganz nach dem Motto der Firma: »Mehr System, weniger Tütü«. Dazu passt auch, dass sie in dem Dresdner XR-Studio, einem der wenigen seiner Art in Deutschland, gedreht haben, um die Bilder unabhängig von den Dreharbeiten mit dem Host Martin Keßler über Jahreszeiten hinweg aufnehmen zu können und dann dort nahtlos miteinander verschmelzen zu lassen.

Den Preisträger-Film kann man online sehen. oder besser noch als Teil des Rundgangs durch die Dresdner Kläranlage, deren Besuch sich laut Katrin Thomas für alle Altersgruppen lohnt, auch wenn »das jetzt nicht nach Parfüm riecht«.