Unser Mitglied Thomas Erler ist in der vergangenen Woche unerwartet im Alter von 69 Jahren gestorben. Matthias Ditscherlein erinnert an einen besonderen Menschen, den viele von uns schmerzlich vermissen werden.

Wenn ich an Thomas Erler denke, dann muss ich lächeln. Denn ich kenne ihn auch nur lächelnd, ein bisschen verschmitzt, wenn er irgendwo um die Ecke gebogen kam. Immer Zeit für einen kleinen Plausch, immer die Frage, wie es einem geht, was die Projekte so machen. Schließlich war immer irgendetwas zu planen oder zu organisieren.

Zufällig treffen konnte man Thomas oft: als Kinobotschafter des HDF Kino, als wichtige Stimme für die Kinokultur beim Filmverband Sachsen, als kulturinteressierten Menschen, natürlich über Jahrzehnte als Chef des Freiberger Kinopolis. Auf Tagungen und Messen – erst vergangenen Herbst schickte er mir ein Bild gemeinsam mit Wim Wenders. Er war vom Bundespräsidenten ins Schloss Bellevue eingeladen worden. Natürlich war das Kino Thema – das Kino, das wir alle lieben und dem Thomas viel von seiner übersprudelnden Lebensenergie gewidmet hat. Diese freundlich-fröhliche Möglichmacher-Energie – seine Superkraft.

Erst hat er als Kartenabreißer gejobbt, denn eigentlich hatte er nicht im Lichtspiel-, sondern im »richtigen« Theater als Schauspieler begonnen. Zu unserem Glück zog es ihn zum Kino. Über zwei Jahrzehnte leitete er das Freiberger Kinopolis, ein Multiplex, das Thomas um Programmkinoreihen bereicherte, die vielfach ausgezeichnet wurden – zuletzt sogar auf europäischer Ebene.

Für ihn war das kein Widerspruch – Mainstream und Filmkunst, Popcorn und ein Glas Wein. Ich glaube zum einen, weil ihm das Kino als Treffpunkt, als Ort des Austauschs und des Dialogs über alle Grenzen hinweg wichtig war. »Das Kino muss politisch sein«, sagte er mir einmal im Interview. Und außerdem, weil er als guter Kinoleiter – so glaube ich – verstanden hatte, dass der politische Dokumentarfilm mit Untertiteln und Filmgespräch den Hollywood-Blockbuster mit Cola-Bechern und großem Popcorn braucht; schließlich müssen Strom und Personal bezahlt werden. Er sah keinen Widerspruch, sondern beschwor oft die Vielfalt, die das Kino so besonders macht.

Vielfalt war überhaupt ein wichtiges Thema für ihn. Der Rechtsruck in der Gesellschaft trieb ihn um, er wollte nicht einfach nur zusehen. Nach seinem Eintritt in das Leben als »Kulturrenter«, wie er sich selbst nannte, umso mehr. Ich erinnere mich, wie ich ihn – mal wieder zufällig – in Freiberg getroffen habe: am Abend der Bürgermeisterwahl. Wie immer ein bisschen in Eile bog er mit einem Stapel Flyer unter dem Arm um die Ecke. Seit Jahren war er für das Bündnis »Freiberg für Alle« aktiv, engagierte sich erst vor ein paar Wochen beim Christopher Street Day oder wie an diesem Abend dafür, sein geliebtes Freiberg nicht einem Bürgermeisterkandidaten aus der rechten Ecke zu überlassen.

Lieber Thomas, du wirst uns sehr fehlen! Deine so bescheidene, sanfte Stimme – trotz allem, was du erreicht hast. Deine klare, reflektierte Stimme, wenn es um das Kino und den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft ging. Wir sind in Gedanken bei dir und deiner Familie.