Ein kleiner Junge in Lederhosen; beim Balanceakt im Zwinger; beim Spielen mit Küken. Es sind Aufnahmen von der Hauptperson selbst, die Besucher*innen in der Sonderausstellung »Universum Dresden. Der Filmemacher und Filmsammler Ernst Hirsch« in den Technischen Sammlungen der Landeshauptstadt als Erstes zu sehen bekommen. Hirschs Mutter Else hatte schon in den 1930er-Jahren begonnen, ihren Sohn auf Schmalfilm zu bannen. Dieser »Lebenslauf im Film« markiert quasi den Startpunkt von Hirschs Sammlung, während die Spaziergänge mit dem Vater seine Liebe für Dresden wecken.

Am 13. Juli 1936 wird der selbsternannte »Regiekameramann« in Dresden geboren, überlebt zusammen mit seinen Eltern die Bombenangriffe auf die Stadt. Sein Vater kommt aber wenig später im Lager Mühlberg um. Von 1950 bis 1953 macht Hirsch eine Ausbildung zum Feinoptiker, beginnt zu fotografieren – und alsbald auch zu filmen. Er heuert als Filmreporter für die Aktuelle Kamera des Deutschen Fernsehfunks an, arbeitet ab 1968 freiberuflich und intensiviert seine Sammeltätigkeit von alten Filmen und Kameratechnik.

2025 übergibt Ernst Hirsch seine Sammlung von mehr als 460 Filmrollen an die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) Dresden, die im Rahmen des Landesprogramms zur Sicherung des audio-visuellen Erbes in Sachsen (SAVE) in Kooperation mit dem Filmverband Sachsen digitalisiert werden sollen. Etwa 100 Rollen liegen schon als Digitalisate vor, drei bis vier Stunden sind in der derzeitigen Ausstellung zu sehen. Sie kann also allemal als Zwischenbericht dienen, als erster Aufschlag und vor allem auch als Anregung, sich mit dem Lebenswerk und Filmerbe Ernst Hirschs auseinanderzusetzen, soll es doch nach und nach über die Mediathek der SLUB online zugänglich sein.

Dass Hirschs Arbeit und Sammlung unser visuelles Gedächtnis von Dresden prägen, ist hinlänglich bekannt. Nicht nur ist er selbst seit der Wende vielfach mit seinem und fremdem Material in Erscheinung getreten, auch Ausstellungen im Leonhardi- und im Stadtmuseum beleuchteten sein Schaffen. Filme aus seinem Bestand liefen u. a. beim Filmfest Dresden. Dabei gibt es immer noch Material, das bisher kaum in Erscheinung getreten ist, etwa die Videobänder mit Interviews von ehemaligen Dresdner Jüd:innen und Juden, die die Zeit des Nationalsozialismus überlebt haben. In Ausschnitten sind sie nun in der Ausstellung zu sehen.

Komplettiert wird die Sonderschau durch Schlaglichter auf Hirschs Kamera- und Techniksammlung, von der er etwa 60 Stück in die Hände der Museen der Stadt Dresden gegeben hat und die auch die Bedeutung der Foto- und Kamerastadt verdeutlichen. Eine kleine Auswahl kommentiert Ernst Hirsch in der Ausstellung selbst. Gewissermaßen kehren der Filmemacher und seine Kameras damit zurück zu ihren Anfängen, war Zeiss Ikon mit dem ikonischen Gebäude samt Ernemann-Turm nahe dem Pohlandplatz nicht nur ein wichtiger Kamera- und Kinoprojektorenhersteller, sondern auch Hirschs Ausbildungsstätte. Heute sind dort die ausstellenden Technischen Sammlungen beheimatet.

Bei den Technikinterviews mit Hirsch wird einmal mehr deutlich, wie wichtig das sogenannte »Auge von Dresden«, wie Hirsch gern betitelt wird, selbst als Wissensträger ist. Allzu gern gibt er Auskunft über Kameratechnik, über die in den Filmen zu sehenden Personen, über Geschichten abseits der Kamera. Dennoch sei die Abgabe seiner Sammlung eine Erleichterung, ja eine Befreiung. So macht er sie auch dauerhaft einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Angesichts der Ausstellung sagt er: »Ich will das noch erleben, dass sich so viele junge Leute dafür interessieren. Das ist das Beste, was einem passieren kann. Das wünsche ich jedem Sammler.« Als Nächstes steht nun sein 90. Geburtstag an.

»Universum Dresden. Der Filmemacher und Filmsammler Ernst Hirsch« zu sehen bis 1. November 2026 in den Technischen Sammlungen Dresden, Di. bis Fr. von 9 bis 17 Uhr, an Wochenende und Feiertagen 10 bis 18 Uhr. www.tsd.de