Stellungnahme des Filmverband Sachsen zum Entwurf des Doppelhaushalts 2027/28
Mit großem Unverständnis reagiert der Filmverband Sachsen auf den Entwurf der Sächsischen Staatsregierung für den Doppelhaushalt 2027/28. Darin sind die bisherigen Mittel für das Programm film.land.sachsen zur Stärkung der Filmkultur im ländlichen Raum nicht mehr vorgesehen; die Mittel für das Landesprogramm zur Sicherung des audiovisuellen Erbes in Sachsen (SAVE) sollen zudem deutlich gekürzt werden. Damit stellt die Staatsregierung erneut ausgerechnet zwei Programme infrage, die zentrale kulturpolitische Ziele des Freistaates unmittelbar umsetzen. Die Einschnitte würden die Wirkung bereits getätigter öffentlicher Investitionen gefährden und nachhaltig gewachsene Strukturen zunichte machen.
Der Filmverband Sachsen fordert daher:
- die Rücknahme der vollständigen Streichung der Fördermittel für film.land.sachsen und die langfristige strukturelle Absicherung des Programms,
- die Rücknahme der geplanten 25-Prozent-Kürzung der Mittel für die Durchführung von SAVE.
Der Freistaat Sachsen verfolgt seit Jahrzehnten das Ziel gleichwertiger kultureller Lebensverhältnisse und unterstreicht mit seiner Kulturförderung den Anspruch, wohnortnahe Kulturangebote und kulturelle Infrastruktur außerhalb der Großstädte zu stärken. Mit der Kofinanzierung des Zukunftsprogramms Kino des Bundes hat sich der Freistaat zudem dazu bekannt, Kinos als Kulturorte zu erhalten. Gerade dort, wo es jedoch nie ein Kino gab oder schon lange nicht mehr gibt, ergänzt film.land.sachsen die bestehende Förderlandschaft, indem es Filmkultur in Gemeinden ohne Kinoinfrastruktur bringt – in Gemeindehäuser, Jugendzentren oder auf Dorfplätze. So macht das Programm den Film als Kunst- und Kulturgut auch außerhalb der urbanen Zentren für alle Menschen in Sachsen zugänglich und erlebbar. Ohne film.land.sachsen droht für viele Menschen eines der letzten Filmkulturangebote vor Ort wegzufallen. Wir halten die vorgesehene Streichung der Programmmittel daher für kultur- und gesellschaftspolitisch grundsätzlich falsch. Dass film.land.sachsen, nachdem das Programm erst mit dem Haushaltsbeschluss zum Doppelhaushalt 2025/2026 gesichert wurde, im Entwurf des nächsten Doppelhaushalts erneut vollständig gestrichen werden soll, steht exemplarisch für eine Kulturpolitik, der es an langfristiger Planungssicherheit fehlt.
Ebenso kritisch sehen wir die geplanten Kürzungen für SAVE. Das Programm bewahrt das audiovisuelle Gedächtnis Sachsens und sichert Film- und Tonaufnahmen, die Geschichte, Alltag und kulturelle Identität unseres Landes dokumentieren. Die Digitalisierung dieser Bestände ist ein Wettlauf gegen die Zeit: Analoge Film- und Videomaterialien altern kontinuierlich und drohen unwiederbringlich zu zerfallen. Nachdem SAVE bereits mit dem Doppelhaushalt 2025/2026 erhebliche Einschnitte hinnehmen musste, sollen die Programmmittel für die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) erneut um 25 Prozent gekürzt werden. Dies würde dazu führen, dass die Digitalisierung weiterer Bestände faktisch zum Erliegen käme und wertvolle Zeugnisse der sächsischen Geschichte und Identität unwiederbringlich verloren gingen.
Wir appellieren an die Sächsische Staatsregierung und die Abgeordneten des Sächsischen Landtags, die vorgesehenen Kürzungen zurückzunehmen. Wer gleichwertige kulturelle Lebensverhältnisse, die Stärkung des ländlichen Raums und die Bewahrung der sächsischen Identität als politische Ziele verfolgt, muss auch diejenigen Programme sichern, die diese Ziele tagtäglich verwirklichen.