Zum ersten Mal hat film.land.sachsen beim KINOLINO den Goldenen Hecht für den gesellschaftlich relevantesten Film gestiftet. Die Jury aus zehn- bis 13-jährigen Kindern zeichnete „Das geheime Stockwerk“ von Norbert Lechner aus. Vergeben wurde der Preis beim Abschluss des 33. Filmfests für junges Publikum im Kinopolis Freiberg – wo die KINOLINO-Preisverleihung am 24. Oktober 2026 erstmals zu Gast war.
Eine Zeitreise, die Geschichte erfahrbar macht
»Das geheime Stockwerk« verbindet einen Kinderkrimi mit einer Zeitreise in den Nationalsozialismus. Der zwölfjährige Karli zieht mit seiner Familie in die Alpen, wo seine Eltern ein ehemaliges Grandhotel übernehmen. Dort entdeckt er einen alten Lastenaufzug, der ihn ins Jahr 1938 bringt. Er freundet sich mit dem jüdischen Mädchen Hannah und dem Schuhputzerjungen Georg an. Als Georg zu Unrecht eines Diebstahls beschuldigt wird, machen sich die drei auf die Suche nach dem wirklichen Täter. Gleichzeitig erfährt Karli immer mehr über die Bedrohung seiner neuen Freunde – und darüber, warum Hannah auf keinen Fall nach Berlin zurückkehren sollte. Regisseur Norbert Lechner erzählt nach einem Drehbuch von Antonia Rothe-Liermann und Katrin Milhahn konsequent aus der Perspektive der Kinder. Das Abenteuer eröffnet einen Zugang zu Fragen nach Ausgrenzung, Antisemitismus und Verantwortung. Der Film wird im nächsten Jahr das film.land.sachsen-Programm bereichern und hoffentlich viele Screenings im Freistaat ermöglichen. Wir hoffen auch auf viele Filmgespräche mit Teammitgliedern. Das Thema des Films eröffnet schließlich viele Diskussionsmöglichkeiten.
Junge Perspektiven entscheiden
Welche Filme einen Goldenen Hecht erhalten, entscheiden beim KINOLINO die jungen Zuschauer*innen selbst. Die Kinderjury sichtete während des Festivals die Wettbewerbsfilme und wählte die Preisträger aus. Auch die Vorbereitung und Durchführung der Preisverleihung lagen in den Händen des Jungen KINOLINO-Teams. Dazu gehörte neben der Jury ein Medienteam, das Interviews führte, über das Festival berichtete und ausgewählte Veranstaltungen moderierte.
»Das Junge KINOLINO-Team zeigt eindrucksvoll, wie viel junge Menschen bewegen können, wenn man ihnen Verantwortung überträgt und ihre Perspektiven ernst nimmt«, sagt KINOLINO-Projektleiter Stefan Bast. »Die Kinder und Jugendlichen haben nicht nur die Preisträgerfilme ausgewählt, sondern die Preisverleihung auch eigenständig organisiert und selbst durchgeführt. Darauf können sie wirklich stolz sein!«
Zwei weitere Filme wurden in Freiberg ausgezeichnet: Der Goldene Hecht für den spannendsten Film ging an »Emil und die Detektive«, gestiftet von WT Energiesysteme. Als lustigsten Film ehrte die Jury »Shaun das Schaf – Spuk im Kürbisfeld«; diesen Preis stifteten die Filmnächte am Elbufer.
Kinderkino an 20 Orten
Die 33. Ausgabe des vom Objektiv e. V. organisierten Filmfests brachte Kinder- und Jugendkino an 20 Orte in Dresden, Radebeul, Moritzburg und erstmals Freiberg. Auf dem Programm standen 59 Langfilme, drei Kurzfilmprogramme und mehr als 25 Specials – von Filmkonzerten bis zu Mitmachangeboten. Das nächste KINOLINO findet vom 9. bis 24. Oktober 2027 statt.