Das Filmfest Dresden hat in diesem Jahr mit einem neuen Zuschauerrekord seine Bedeutung für die lebendige Kulturlandschaft in Sachsen unter Beweis gestellt. Über 21.000 Besucher*innen und Besucher strömten an sechs Tagen in die Kinosäle – ein Zuwachs von mehr als 4.000 Gästen im Vergleich zum Vorjahr. Besonders großer Beliebtheit erfreuten sich die Open-Air-Screenings am Schloßplatz: Rund 9.000 Menschen nutzten die Gelegenheit, internationale Kurzfilme unter freiem Himmel zu erleben.

Unter dem thematischen Schwerpunkt »Work in Progress« widmeten sich viele der insgesamt 197 Veranstaltungen den Herausforderungen des täglichen Broterwerbs. Neben den drei Wettbewerben in den Kategorien international, national und mitteldeutsch bot das Festival ein vielfältiges Rahmenprogramm mit Sonder- und Branchenformaten, an denen auch der Filmverband Sachsen beteiligt war. Neben dem traditionellen Empfang organisierte der Verband gemeinsam mit Luzycafilm und der Stiftung für das sorbische Volk das überwiegend sorbische Programm »Wiźeś.Sichtbar.Widźomne«. Auch stieß das SAVE-Programm mit einer Retrospektive über Ernst Hirsch auf großes Interesse. Darüber hinaus engagierte sich der Filmverband Sachsen als Sponsor des Branchentreffs der Filmindustrie sowie des Mitteldeutschen Wettbewerbs.

Bei den Preisträgern gab es aus Sicht des Filmverbands erfreuliche Entwicklungen: Der mit 3.000 Euro dotierte Preis ging in diesem Jahr an Alina Cyranek für ihren Film »Unbemerkt verstorben«. Darin wird eindrücklich gezeigt, wie sich die Lebensgeschichte eines Menschen nach seinem Tod durch die zurückgelassenen Gegenstände auf ganz eigene Weise neu erschließt. Cyranek, die zugleich Vorstandsvorsitzende des Filmverbands Sachsen ist, hatte bereits zu Jahresbeginn mit ihrem Langfilm »Fassaden« Aufmerksamkeit erregt. Dieser setzt sich mithilfe von Tanzchoreografien und persönlichen Berichten intensiv mit dem Thema häusliche Gewalt auseinander.

Den vom MDR gestifteten Publikumspreis gewann unterdessen »Blob und der Wolf«. Der von Georg Kästle und Valentin Bolte gedrehte Kurzfilm ist bereits im film.land.sachsen-Kurzfilmprogamm »Sächsische Shorts – Genre-Edition« enthalten. Damit setzt das surreale Märchen seine Erfolgssträhne fort, hat es doch schon beim KURZSUECHTIG-Festival in Leipzig Preise abgeräumt. Alle Preisträger des Filmfestivals gibt es hier.

Der Erfolg des Festivals unterstreicht erneut die zentrale Rolle des lokalen Kinos für eine lebendige und vielfältige Gesellschaft. Gleichzeitig werfen die aktuellen Kürzungen im Kulturbereich im gesamten Freistaat Fragen nach der zukünftigen Ausrichtung auf: Es bleibt ungewiss, ob ein Programm in diesem Umfang trotz der hohen Nachfrage langfristig aufrechterhalten werden kann. Der Filmverband Sachsen setzt sich daher weiterhin nachdrücklich für eine nachhaltige und zukunftssichere Finanzierung der Filmkultur im Freistaat ein.
Text: Wilhelm Dulig