Kommunale Kinos sind im Osten Deutschlands eher unbekannt. Der Bundesverband kommunale Filmarbeit e. V. (BkF) sitzt in Frankfurt am Main, die meisten Mitglieder verzeichnet er in Baden-Württemberg. 52 sind es dort, in den sogenannten neuen Bundesländern (Stand 2024) insgesamt acht – Berlin ausgenommen. In Sachsen sind es vier. Ende letzten Jahres war der Bundeskongress der Kommunalen Kinos in Dresden zu Gast.

Mit dem Kongressthema »Zusammen•Wachsen. Kinokultur in Ost & West« sollte diesem Umstand Rechnung getragen werden. Doch den gravierenden Unterschieden konnte man bei drei Kongresstagen nur bedingt auf den Grund gehen. Man hätte sich mehr mit der unterschiedlichen Finanzierung, der Infrastruktur und der Lokalpolitik beschäftigen müssen. Natürlich wären die verschiedenen politischen Systeme und die Kinopolitik während der deutschen Teilung ursächlich, doch auch nach der Wende gehen die Bundesländer unterschiedliche Wege. Zu nennen wäre etwa die institutionelle Förderung der MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg mbH, »deren Höhe sich an der Förderung durch die jeweilige Gemeinde bzw. den Landkreis orientiert«.

Was Kommunale Kinos überhaupt sind und wann welche Institution dem Verband angehören kann, war mehrfach Thema. Im Zentrum stehen nichtgewerbliche Spielstätten. Darunter finden sich Träger von Filmfestivals, Filmarchive und -museen oder auch Unikinos. Zu letzteren gehört das Dresdner Kino im Kasten (KiK), das als Mitveranstalter auftrat. »Ich durfte vor zwei Jahren einen Bundeskongress in Oldenburg besuchen. Das hat mir gut gefallen, weil spannende Themen besprochen wurden und man tolle Kinoleute aus ganz Deutschland kennenlernen durfte. Ich hatte mich damals gefragt, ob so ein Kongress auch bei uns funktionieren würde, aber die Idee schnell verworfen, da wir das nie alleine hätten stemmen können«, erzählt der ehemalige Theaterleiter Oliver Effland. Nachdem auch das Clubkino im Lingnerschloss dem Verband beigetreten war, nahm die Idee dann doch Gestalt an.

Wie das KiK in den Verband kam, erklärt Effland so: »Im Zuge der MDM-Kinoprogrammpreisverleihung 2018 wurden wir vom damaligen BkF-Geschäftsführer Fabian Schauren angesprochen, ob wir uns nicht vorstellen könnten, dem Bundesverband beizutreten.« Aus finanziellen Gründen dauerte es eine Weile, im Oktober 2022 stellten sie schließlich ihren Mitgliedsantrag. Der bald 31-Jährige sieht noch ein anderes Problem: »Danach dürfte sich auch die Frage stellen, ob man im Team überhaupt die Kapazitäten hat, sich mit so etwas zu beschäftigen. Kleine ehrenamtliche Vereine sind ja gut ausgelastet mit dem eigentlichen Spielbetrieb.«

In Förderprogrammen kommen kommunale und andere nichtgewerbliche Spielstätten oft zu kurz. Dabei bestätigte das sogenannte Frankfurter Urteil 1972, dass neben den traditionell anerkannten öffentlichen kulturellen Einrichtungen wie Theater, Konzert, Museum oder Bibliothek auch das Kino ein Träger von Kulturgut und deshalb zur öffentlichen Förderung berechtigt sei. Die Leistung eines Kommunalen Kinos sei dabei grundsätzlich anders als die eines gewerblichen und stelle so keine Konkurrenz dar, wie BkF-Vorstandsmitglied Christiane Schleindl am Kongresssamstag noch einmal herausstellte.

Oliver Effland sieht in Bezug auf die Mitgliedschaft im BkF einen besonderen Benefit: »Wichtig ist die Vernetzungsmöglichkeit in der Branche. Das ist schwer zu beziffern, welche Ideen man durch den Austausch bekommt. Möglichkeiten, auf die man alleine nicht gekommen wäre, oder Hinweise, wo potenzielle Problemfälle lauern könnten. Außerdem hat man im Verband immer ein offenes Ohr für sämtliche kinorelevante Fragen. Er hält uns auf dem Laufenden, was kinopolitisch passiert, und setzt sich für unsere Interessen ein.«

Weitere Informationen: www.kommunale-kinos.de, www.kino-im-kasten.de

Der Artikel erschien zuerst im Auslöser 02/2025 in einer längeren Fassung. Das Fach- und Medienmagazin vom Filmverband Sachsen e. V. erscheint drei Mal im Jahr und ihr könnt das Magazin hier kostenfrei abonnieren. Eine Übersicht zu früheren Magazinausgaben findet ihr in unserem Online-Archiv.