Der Filmverband Sachsen hat anlässlich des Themenjahres ein eigenes Kurzfilmprogramm zusammengestellt, das unterschiedliche filmische Perspektiven auf jüdisches Leben, jüdische Geschichte und jüdische Gegenwart auslotet.

Sie haben Interesse daran, das Programm zu zeigen? Hier gibt es alle Infos.

In rund 65 Minuten entfalten die ausgewählten Filme persönliche, künstlerische und gesellschaftliche Annäherungen an Fragen von Erinnerung, Identität und Zugehörigkeit. Zwischen animierten Bildern, dokumentarischen Momenten und pointiertem Spielfilm erzählen sie von den Nachwirkungen der Schoa, von familiären und inneren Konflikten über Generationen hinweg sowie vom Spannungsfeld zwischen individueller Erfahrung und kollektiver Geschichte. Dabei stehen nicht historische Zuschreibungen oder festgelegte Narrative im Vordergrund, sondern subjektive Perspektiven, emotionale Zustände und alltägliche Situationen, die jüdisches Leben in seiner Vielfalt sichtbar machen. Das Programm bewegt sich bewusst zwischen Ernst und Ironie, Abstraktion und konkreter Lebenswirklichkeit und lädt dazu ein, jenseits von Klischees zuzuhören, hinzusehen und ins Gespräch zu kommen. Es versteht sich damit als filmische Einladung, jüdische Kultur nicht nur als historischen Bezugspunkt, sondern als lebendige, gegenwärtige und vielstimmige Realität wahrzunehmen.

WIR SIND WIEDER DA

Regie: Shirel Peleg | 8 min | Spielfilm | Deutschland 2018

Die neue Generation muss mit der Vergangenheit der alten und aussterbenden Generation umgehen lernen, während sie versucht, voranzuschreiten. »Wir sind wieder da« erzählt einen Moment aus dem Leben einer neuen Generation von Juden im jetzigen Deutschland.

COMPARTMENTS

Regie: Daniella Koffler und Uli Seiss | 15 min | Animationsfilm | Deutschland 2017

»Compartments« erzählt die fiktive, aber von tatsächlichen Erfahrungen inspirierte Geschichte von Netta, einer jungen Frau aus Israel, die auswandern möchte – ausgerechnet nach Berlin. Ihr Vater, Sohn von Holocaust-Überlebenden, ist entsetzt. Hin- und hergerissen zwischen quälenden Erinnerungen und den Schatten der Vergangenheit, gefangen in kollektiven Erinnerungen, die sich über Jahre eingeprägt haben, kämpfen Netta und ihr Vater darum, ihre einst enge Beziehung zu retten. Was beide bewegt, bewahren sie in Erinnerungskästen auf.

WIE SO EIN LÄSTIGER REGEN SCHWEIGEN KANN

Regie: Jakob Werner | 5 min | Animationsfilm | Deutschland 2021

Als Otto Dov Kulka mit 11 Jahren den Todesmarsch von Auschwitz nach Groß-Rosen antreten musste, sieht er einen Häftling, der mit einem gebrochenen Bein auf Befehl des Angeklagten Baretzki liegen gelassen und wahrscheinlich erschossen wird. Anders als dieser Unbekannte Häftling, schaffte es Kulka auf unwahrscheinliche Weise dem Tod zu entkommen.

FEELS FOREVER

Regie: Ariel Elbert, Maximiliam Neudeck | 7 min | Animationsfilm | Deutschland 2024

»Feels Forever« ist ein Animationskurzfilm, der die Stimmen jüdischer Frauen und FLINTA-Personen zu einer kollektiven Erzählung verdichtet. Die animierte Protagonist*in trägt ihre fragmentarischen Erfahrungen zusammen und macht sichtbar, was viele teilen: Verletzlichkeit, Stärke und das Ringen um Zugehörigkeit. Mit poetischen Bildern von Ariel Elbert und einem atmosphärischen Sounddesign von Maximilian Neudeck schafft der Film einen eindrucksvollen Resonanzraum für jüdische Perspektiven heute.

MASEL TOV COCKTAIL

Regie: Arkadij Khaet, Mickey Paatzsch | 31 min | Spielfilm | Deutschland 2020

Zutaten: 1 Jude, 12 Deutsche, 5 cl Erinnerungskultur, 3 cl Stereotype, 2 TL Patriotismus, 1 TL Israel, 1 Falafel, 5 Stolpersteine, einen Spritzer Antisemitismus Zubereitung: Alle Zutaten in einen Film geben, aufkochen lassen und kräftig schütteln. Im Anschluss mit Klezmer-Musik garnieren. Verzehr: Vor dem Verzehr anzünden und im Kino genießen. 100% Koscher.

Das Kurzfilmprogramm wird von Susanne Braun moderiert.

Weitere Informationen zu den Filmgästen unter: https://tacheles.sachsen.de/veranstaltungen/kurzfilmabend | www.lingnerschloss.de

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Filmreihe »Verdrängtes und gelebtes Gedächtnis, Jüdisches Leben im deutschen Film nach 1945« statt.